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Seit mehreren Jahren bleiben in Deutschland immer mehr Lehrstellen unbesetzt. Das führt zu wachsender Besorgnis bei Unternehmen und Betriebe.
Während im Jahr 2005 nur 12 Prozent der Unternehmen meldeten, dass sie angebotene Lehrstellen nicht besetzen konnten, waren es im Jahr 2010 schon doppelt so viele. Nach neuesten Hochrechnungen führender Wirtschaftsverbände ist auch für dieses Jahr ein Anstieg zu erwarten: Der Deutsche Industrie und Handelskammertag geht sogar davon aus, dass 2011 gar 75.000 Lehrstellen unbesetzt bleiben werden. Die Schätzung des Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) besagt, dass 11.000 Stellen davon allein dem Handwerk zuzurechnen sind.
Vertreter deutscher Wirtschaftsverbände bemängeln insbesondere, dass es nicht genügend geeignete und ausbildungswillige Bewerber gebe. Diese Beobachtung wird auch durch die Pisa-Studie untermauert. Der Studie zufolge können 20 Prozent der deutschen Schulabgänger nur auf Grundschulniveau lesen und schreiben. Das entspricht 170.000 Jugendlichen, die nicht ausbildungsreif sind. Für die Betriebe bedeutet das, dass sie ihre Ansprüche an die Bewerber weiter senken müssten. Dabei haben sie jedoch keinen unbegrenzten Spielraum nach unten.
Die Hauptursache jedoch, warum viele Lehrstellen unbesetzt bleiben, ist woanders zu suchen: momentan verlieren Betriebe und Unternehmen eine große Zahl qualifizierter Bewerber an die Universitäten. Viele Jugendliche wollen viel lieber studieren als eine Ausbildung angehen, da sie sich von einem Studium bessere Karrierechancen als bei einer Ausbildung versprechen. Das Duale System – die Kombination aus betrieblicher und schulischer Ausbildung – wird zunehmend als Ausbildung zweiter Klasse wahrgenommen. Und das hat Konsequenzen: je mehr Studenten es an den Universitäten gibt, desto enger wird es bei der Nachfrage nach Ausbildungsplätzen.
Für Unternehmen und Betriebe bedeutet das, dass sie intensiver um Nachwuchs werben müssen. Wenn junge Menschen eine Ausbildung als einen Einstieg in die Berufswelt sehen, der weitere Karrieremöglichkeiten nicht versperrt sondern sogar ermöglicht, haben Unternehmen womöglich wieder mehr Lehrlinge.